Passend zur besinnlichen Zeit, eine Erzählung aus der Inselkirche auf Hiddensee.
Von Mai bis Oktober jeden Jahres finden dort wöchentliche Konzerte statt, in denen auch kleine Lesungen stattfinden. Der Inselpfarrer hat in 40 Jahren Texte gesammelt und in einer kleinen Broschüre "Siebzigmal siebenmal" niedergeschrieben.
Ein Fischer sitzt am Strand und blickt auf das Meer, nachdem er die Ernte seiner mühseligen
Ausfahrt auf den Markt gebracht hat. Warum er nicht einen Kredit aufnehme, fragt ihn ein
Tourist. Dann könne er einen Motor kaufen und das Doppelte fangen. Das brächte ihm Geld
für einen Kutter und einen zweiten Mann ein! Zweimal täglich auf Fang hieße, das Vierfache
verdienen. Warum er eigentlich herum trödele. Auch ein dritter Kutter wäre zu beschaffen;
das Meer könnte viel besser ausgenutzt werden, ein Stand auf dem Markt, Angestellte, ein
Fischrestaurant, eine Konservenfabrik..., dem Touristen leuchteten die Augen.
"Dann brauchen Sie gar nichts mehr zu tun. Dann können Sie den ganzen Tag sitzen und
glücklich auf Ihr Meer hinaus blicken."
"Aber das tue ich doch jetzt schon", sagte der Fischer.
(Helmut Gollwitzer, 1908-1993)
Liebe Grüße mokuha 00000011