Landschaftsfotografie von David Kaplan

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Die Alpenregion gehört mit Sicherheit zu den schönsten und abwechslungsreichsten Regionen in Europa. Darum zieht es auch Jahr für Jahr immer wieder viele Naturbegeisterte in diese malerische Berglandschaft. Durch die zahlreichen Gipfel und Täler bekommt die Landschaft im Prinzip eine weitere Dimension, die man im Flachland kaum antrifft. Das kommt insbesondere Landschaftsfotografen zu Gute, weil sie dadurch Fotos viel räumlicher wirken lassen können. Das hat sich ein Fotograf aus Zürich ganz besonders zum Prinzip gemacht: David Kaplan. Er reist das ganze Jahr durch regelmässig in die Bergregionen der Schweiz, um dort Fotos zu machen, die bisher so noch kaum jemand gesehen hat. Das liegt nicht nur an der räumlichen Wirkung seiner Bilder, sondern auch an den ungewöhnlichen Tageszeiten, zu denen er seine Fotos schiesst. Oft verbringt er ganze Nächte auf den Bergen. Dabei schläft er aber nicht, sondern fotografiert die ganze Nacht durch bis zum Sonnenaufgang. Das gibt ihm die Möglichkeit, Landschaften in ganz neuem Licht zu fotografieren und früh morgens oder spät abends noch an den besten Locations zu sein, wenn das Licht am schönsten ist. Weil er dadurch kein Zelt und keinen Schlafsack braucht, kann er umso mehr Ausrüstung transportieren. In der Nacht trennt sich nämlich auch die Spreu vom Weizen bezüglich Kameraausrüstung. Während man tagsüber selbst mit einer Kompaktkamera noch qualitativ gute Fotos machen kann, braucht man in der Nacht schon eine dicke Spiegelreflex. David fotografiert zurzeit mit einer Nikon D700. Dazu hat er alle Festbrennweiten aus dem Nikon-Sortiment mit Blende 1.4. Diese Lichtstärke ist nötig, damit man in den dunklen Nächten zu ausreichend kurzen Verschlusszeiten kommt. Ein kurzer Vergleich: Die D700 mit 24mm f/1.4-Objektiv kann rund 51.5x mehr Licht einfangen als eine superlichtstarke Kompaktkamera wie die brandneue Nikon P300 mit dem eingebauten 4.3mm f/1.8 Objektiv (entspricht 24mm). Wenn David mit seiner Kamera eine Viertelstunde belichtet, dann müsste man bei der Kompakten theoretisch rund 13 Stunden für ein einzelnes Foto belichten, um die gleiche Bildqualität zu erreichen. Ein stabiles, leichtes Carbonstativ gehört da natürlich auch ganz selbstverständlich zur Ausrüstung dazu.


Um die hohen Kontrastumfänge in der Nacht auf ein Foto zu bekommen, nutzt David ausschliesslich die HDR-Technik. Auch tagsüber arbeitet er meistens damit, was ihn zum permanenten Stativeinsatz zwingt. Die möglichen Bildergebnisse sprechen aber für sich. Wenn man sich intensiv mit dieser Technik beschäftigt, kann man sehr ausdrucksstarke und auch realistische Bilder erschaffen, die gewöhnliche Fotos alt aussehen lassen.


Einmal mehr zeigt sich, dass aussergewöhnliche Fotos meistens nicht so nebenbei entstehen. Neben der richtigen Ausrüstung und der nötigen Kenntnisse in der Bildbearbeitung, braucht es vor allem viel Geduld und eine gute Planung. Bevor David überhaupt irgendwohin fährt, plant er seinen Ausflug so genau wie möglich. Google Earth hilft dabei, die schönsten und interessantesten Orte zu finden. Dabei ist die Tageszeitensimulation besonders hilfreich, da er so bereits im Vorfeld etwa weiss, wann die Sonne wo steht und ob ein bestimmtes Tal noch vom Sonnenlicht beschienen wird oder nicht. Das Programm „Stellarium“ hilft sogar in der Nacht um herauszufinden, um welche Uhrzeit welches Sternbild wo steht.


Ganz entscheidend ist am Schluss aber das Wetter. Hier muss man sich unbedingt im Vornherein informieren. Zwar hat jede Wettersituation ihre eigenen Reize, aber in der Regel sieht ein leicht bewölkter Himmel am schönsten aus. Ganz besonders eindrücklich ist es, wenn die Wolken am Himmel die Landschaft am Boden in ein wunderschönes Licht- und Schattenspiel verwandeln. Ein strahlend blauer Himmel hingegen ist völlig strukturlos und dadurch wenig fotogen. In der Nacht spielt der klare Himmel dafür seine Stärken aus. Bei klarer Sicht, hoch in den Bergen und abseits der Zivilisation, kann man auch in Europa die Milchstrasse gut von blossem Auge sehen. David liebt aber insbesondere die unglaubliche Lichtstimmung eines durch eine Stadt von unten beleuchten Nebelmeeres in der Nacht. Dazu muss man meistens nicht mal allzu weit in die Wildnis. Ein Blick auf den Wetterbericht reicht, um zu wissen wo die Nebelobergrenze liegt. Das Superfoto liegt oft nur eine kurze, nächtliche Autofahrt weg.


Am Schluss gilt aber auch im Digitalzeitalter nach wie vor: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

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